The Visual Display of Quantitative Information

Rezensierung von Marc Opitz

Was erwartet den Leser?

Edward R. Tufte hat mehrere Bücher über die grafische Aufbereitung von Daten verfasst. In diesem Beitrag behandele ich „The Visual Display of Quantitative Information“ in der zweiten Auflage von 2001.

Tufte unterteilt sein Buch in einen Praxis- und einen Theorieteil. Er liefert dem Leser zahlreiche Beispiele von grafischen Darstellungen, z.T. aus Zeitungen des 20. Jahrhunderts oder auch aus Schriften früherer Jahrhunderte.

Im Vordergrund dieser Arbeit steht die Frage, wie eine gute Datenaufbereitung gestaltet werden kann. Der Autor gibt Empfehlungen über ein exzellentes Design von Grafiken und unterstützt seine Aussagen mit Beispielen.

Was hat mein Interesse geweckt?

Tagtäglich arbeite ich mit Datengrafiken, bspw. für Geschäftsberichte oder Präsentationen. Dabei stellt sich mir immer wieder die Frage, was das Lesen von Charts vereinfacht, so dass die Kernaussage leicht verständlich ist.

Ein wichtiges Ziel für Tufte ist es, „Tinte“ nur für wesentliche Elemente zu verwenden. „Maximize the data-ink ratio, within reason“ ist seine Botschaft. Mit „data-ink“ ist die Farbe für die Darstellung der Daten gemeint. Was nichts mit den Daten zu tun hat, ist zu eliminieren. Dabei soll allerdings nicht übertrieben werden, sondern die Reduktion grafischer Elemente im vernünftigen Maße erfolgen. Kandidaten, um Datengrafiken zu verschlanken, sind Gitterlinien, 3D-Effekte, Bildrahmen oder symmetrische Darstellungen wie offene Säulen.

Der Leser findet noch weitere Tipps für die Erstellung von Diagrammen. Hier ein paar Aussagen:

  • Bewirke, dass der Leser seine Aufmerksamkeit auf den Inhalt richtet und nicht auf das Design oder die Darstellungsmethodik. Vermeide in einem Diagramm ein wechselndes Design, z.B. durch unterschiedliche Größenordnungen von zwei Teilbereichen.
  • Vermeide grafische Verzerrungen zur eigentlichen Aussage der Daten, z.B. durch ein ungünstiges Verhältnis der Bildhöhe zur -breite oder durch mehrdimensionale Darstellungen von eindimensionalen Sachverhalten. Vermittle die Wahrheit über die Daten.
  • Verwende klare, detaillierte und vollständige Bezeichnungen. Informiere über den Kontext der Daten.

Tufte beschreibt Gründe, warum immer wieder in Zeitungen oder Textbüchern Verstöße gegen gutes Diagrammdesign erfolgen. Zum einen können die mangelnden statistischen Fähigkeiten genannt werden, u.a. weil in der Presse mehr das künstlerische Design im Vordergrund steht. Zum anderen werde häufig die Annahme vertreten, dass Statistiken langweilig seien und man sie ein wenig aufpeppen müsse.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Jeder, der Daten aufbereitet und seinen Kollegen oder Führungskräften in Form von Diagrammen präsentiert, sollte sich über die grafische Aufbereitung Gedanken machen. Bringe ich das auf den Punkt, was die Daten aussagen? Ganz konkret bedeutet dies beispielsweise:

  • Kann ich Gitternetzlinien soweit reduzieren, dass sie nicht von der Datenvisualisierung ablenken?
  • Verwende ich für eindimensionale Sachverhalte wie Mengen auch nur einfache Balken oder Säulen ohne 3D-Effekt?
  • Verzichte ich überall auf schraffierte Füllfarben?
  • Kann ich das Diagramm verkleinern oder eine Diagrammserie verwenden, um die Informationsdichte zu erhöhen?
  • Unterstützt ein Hoch- oder ein Querformat der Grafik die Aussage hinter den Daten besser?

In Unternehmen kommt noch ein Aspekt in der Gestaltung von Diagrammen hinzu, der über die einzelne Grafik hinausgeht. In periodischen Berichten zu Vertrieb, Service Operations, Logistik oder anderen Geschäftsthemen werden mehrere bis viele Diagramme verwendet. Diese Diagramme müssen nach fachlichen Abschnitten, Aggregationsstufen und Kennzahlendimensionen wie Menge, Durchlaufzeit, Kosten oder Qualität organisiert werden. Hier kommt die Verbindung zum Prozessmanagement ins Spiel, was über ein exzellentes Diagrammdesign hinausgeht.

Fazit

Mit dem Buch von Tufte wird das Bewusstsein geschult, wie Daten grafisch in Diagrammen aufbereitet werden. Lassen wir den Autor seine Ideen zusammenfassen: „Graphical excellence is that which gives to the viewer the greatest number of ideas in the shortest time with the least ink in the smallest space.”

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